Betriebs­prü­fung bei einem Frei­be­ruf­ler

Gemäß § 193 Abs. 1 AO ist eine Außen­prü­fung u.a. bei Steu­er­pflich­ti­gen zuläs­sig, die frei­be­ruf­lich tätig sind. Zudem folgt aus dem Zweck der Vor­schrift, wel­che die steu­er­li­chen Ver­hält­nis­se von Unter­neh­mern für beson­ders prü­fungs­be­dürf­tig hält, dass die steu­er­li­chen Ver­hält­nis­se frü­he­rer Unter­neh­mer auch dann nach § 193 Abs. 1 AO geprüft wer­den, wenn sie ihren Betrieb bereits ver­äu­ßert oder auf­ge­ge­ben haben [1].

Betriebs­prü­fung bei einem Frei­be­ruf­ler

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs [2] sind im Rah­men des § 193 Abs. 1 AO Außen­prü­fun­gen in den Gren­zen des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zips und des Will­kür­ver­bots grund­sätz­lich unbe­schränkt zuläs­sig, wes­halb auch Kleinst­be­trie­be „prü­fungs­re­le­vant“ sind.

Auch bei Kleinst­be­trie­ben besteht kein Anspruch auf Ein­hal­tung eines bestimm­ten ‑an dem nach­träg­lich ermit­tel­ten sta­tis­ti­schen Durch­schnitts­wert ori­en­tier­ten- Prü­fungs­rhyth­mus, da eine zeit­lich vor­her­seh­ba­re Außen­prü­fung auch dem mit der Außen­prü­fung ver­folg­ten Ziel, durch ihre prä­ven­ti­ve Wir­kung zur rich­ti­gen Steu­er­erhe­bung bei­zu­tra­gen, wider­spre­chen wür­de [3].

Im Gegen­satz zu dem Fall einer nach § 193 Abs. 2 Nr. 2 AO ange­ord­ne­ten Prü­fung kommt es im Fall einer Prü­fungs­an­ord­nung nach § 193 Abs. 1 AO nicht auf die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen an, ob die für die Besteue­rung erheb­li­chen Ver­hält­nis­se der Auf­klä­rung bedür­fen und eine Prü­fung an Amts­stel­le nach Art und Umfang des zu prü­fen­den Sach­ver­halts nicht zweck­mä­ßig ist [4]. Viel­mehr hält der Gesetz­ge­ber bei Steu­er­pflich­ti­gen, die frei­be­ruf­lich tätig sind, ‑typi­sie­rend- die Außen­prü­fung für das geeig­ne­te Mit­tel der Sach­ver­halts­er­mitt­lung. Betrie­be die­ser Art unter­lie­gen kraft Geset­zes der Außen­prü­fung und sind daher ver­pflich­tet, die damit ver­bun­de­nen Ein­grif­fe zu dul­den [5].

Im übri­gen muss nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on des § 193 Abs. 1 AO ein Fall nicht voll­stän­dig im Innen­dienst aus­er­mit­telt sein, bevor eine Außen­prü­fung ange­ord­net wer­den darf. Viel­mehr kann eine umfas­sen­de Sach­ver­halts­auf­klä­rung –u.a. zur Ent­las­tung der Ver­an­la­gungs­stel­le [6]– auch erst im Rah­men der Außen­prü­fung erfol­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. Juli 2014 – III B 8/​14

  1. BFH, Urteil vom 24.08.1989 – IV R 65/​88, BFHE 158, 114, BStBl II 1990, 2[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 21.06.1994 – VIII R 54/​92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678; BFH, Beschluss vom 17.12 2002 – X S 10/​02, BFH/​NV 2003, 296[]
  3. BFH, Beschluss vom 23.06.2003 – X B 165/​02, BFH/​NV 2003, 1147[]
  4. BFH, Urteil vom 05.11.1981 – IV R 179/​79, BFHE 134, 395, BStBl II 1982, 208; BFH, Beschluss vom 11.09.2003 – XI B 9/​03[]
  5. BFH, Urteil vom 02.10.1991 – X R 89/​89, BFHE 166, 105, BStBl II 1992, 220; BFH, Beschluss vom 26.06.2007 – V B 97/​06, BFH/​NV 2007, 1805, m.w.N.[]
  6. hier­zu BFH, Beschluss vom 11.09.2003 – XI B 9/​03[]