Darlehnsverluste eines Freiberuflers

Dar­lehensver­luste eines Freiberu­flers führen dann nicht zu (Sonder)Betriebsausgaben, wenn das Geldgeschäft ein eigenes wirtschaftlich­es Gewicht hat. Dies kann der Fall sein, wenn mit der Dar­lehen­shingabe ein Geschäft finanziert wird, bei dem die Erzielung eines Speku­la­tion­s­gewinns nicht aus­geschlossen ist. Eine damit ggf. ver­bun­dene Förderung ein­er Man­dats­beziehung berührt als lediglich erwün­schter Neben­ef­fekt die Ver­sa­gung eines Betrieb­saus­gaben­abzugs nicht.

Darlehnsverluste eines Freiberuflers

Betrieb­saus­gaben sind gemäß § 4 Abs. 4 EStG diejeni­gen Aufwen­dun­gen, die durch den Betrieb ver­an­lasst sind. Erzie­len mehrere Per­so­n­en in mitun­ternehmerisch­er Ver­bun­den­heit Einkün­fte, im Stre­it­fall aus freiberu­flich­er Tätigkeit, kön­nen per­sön­liche Aufwen­dun­gen, die wirtschaftlich durch den Mitun­ternehmer­an­teil verur­sacht sind, zu Son­der­be­trieb­saus­gaben führen. Wirtschafts­güter gehören zum sog. notwendi­gen (Sonder-)Betriebsvermögen, wenn sie dem Betrieb dergestalt dienen, dass sie objek­tiv erkennbar zum unmit­tel­baren Ein­satz im Betrieb bes­timmt sind1. Keine Voraus­set­zung ist, dass das Wirtschaftsgut für den Betrieb notwendig, wesentlich oder gar unent­behrlich ist2. Zum Son­der­be­trieb­sver­mö­gen — II gehören Wirtschafts­güter, die unmit­tel­bar der Begrün­dung oder Stärkung der Beteili­gung an der Per­so­n­enge­sellschaft dienen3. Verbindlichkeit­en eines Mitun­ternehmers gegenüber Drit­ten sind notwendi­ges (pas­sives) Son­der­be­trieb­sver­mö­gen, wenn sie unmit­tel­bar durch den Betrieb der Per­so­n­enge­sellschaft oder die Beteili­gung an der Per­so­n­enge­sellschaft ver­an­lasst sind, ins­beson­dere in unmit­tel­barem wirtschaftlichen Zusam­men­hang mit aktiv­en Wirtschafts­gütern des notwendi­gen Son­der­be­trieb­sver­mö­gens — I oder — II bzw. eines gewil­lkürten Son­der­be­trieb­sver­mö­gens ste­hen oder aus anderen Grün­den wirtschaftlich mit dem Betrieb der Per­so­n­enge­sellschaft zusam­men­hän­gen4.

Bei der Ausübung eines freien Berufs ste­hen der Ein­satz von Intellekt und der durch qual­i­fizierte Aus­bil­dung erwor­be­nen Ken­nt­nisse oder eine schöpferische Begabung im Vorder­grund. Der Umfang des Betrieb­sver­mö­gens wird durch die Erfordernisse des Berufs begren­zt5. Geldgeschäfte, wie z. B. Dar­lehens­gewährung oder Beteili­gungser­werb, sind daher bei Ange­höri­gen eines freien Berufs im Regelfall nicht beru­flich ver­an­lasst6, es sei denn, das Geldgeschäft ste­ht objek­tiv in einem unmit­tel­baren und notwendi­gen wirtschaftlichen Zusam­men­hang mit der freiberu­flichen Betä­ti­gung. Ein solch­er Ver­an­las­sungszusam­men­hang beste­ht z. B. bei der Dar­lehens­gewährung eines Steuer­ber­aters zur Ret­tung von Hon­o­rar­forderun­gen7, bei der Beteili­gung eines Architek­ten an ein­er Bauträgerge­sellschaft8 sowie bei der Beteili­gung eines Diplom-Inge­nieurs an ein­er Kongress- und Messe­ho­tel AG9.

Nicht betrieblich ver­an­lasst sind hinge­gen Geldgeschäfte, bei denen nicht zu erken­nen ist, in welch­er Hin­sicht das finanzielle und per­sön­liche Engage­ment des Steuerpflichti­gen die freiberu­fliche Prax­is fördern kön­nte. Fern­er gehört die Beteili­gung oder Kap­i­ta­lan­lage eines Ange­höri­gen der freien Berufe dann nicht zum (notwendi­gen) Betrieb­sver­mö­gen, wenn sie ein eigenes wirtschaftlich­es Gewicht hat. Ein eigenes wirtschaftlich­es Gewicht ist z. B. anzunehmen, wenn es dem Steuerpflichti­gen auf die Kap­i­ta­lan­lage ankommt und die Gewin­nung von Aufträ­gen lediglich ein erwün­schter Neben­ef­fekt ist. Dage­gen ist ein eigenes wirtschaftlich­es Gewicht zu verneinen, wenn das Geschäft ohne die Aus­sicht auf neue Aufträge nicht zus­tande gekom­men wäre10.

Finanzgericht Ham­burg, Urteil vom 16. Feb­ru­ar 2016 — 2 K 170/13

  1. z. B. BFH, Urteil vom 07.12 2000 — III R 35/98, BSt­Bl II 2001, 316 []
  2. vgl. BFH, Urteile 6.03.1991 — X R 57/88, BSt­Bl II 1991, 829; vom 31.05.2001 — IV R 49/00, BSt­Bl II 2001, 828 []
  3. z. B. BFH Urteil vom 18.12 2001 — VIII R 27/00, BSt­Bl II 2002, 733 []
  4. z. B. BFH, Urteil vom 18.12 2001 — VIII R 27/00, BSt­Bl II 2002, 733 []
  5. BFH, Urteil vom 31.05.2001 — IV R 49/00, BSt­Bl II 2001, 828 []
  6. vgl. BFH, Urteile vom 23.05.1985 — IV R 198/83, BSt­Bl II 1985, 517; vom 22.01.1981 — IV R 107/77, BSt­Bl II 1981, 564 []
  7. BFH, Urteil vom 22.04.1980 — VIII R 236/77, BSt­Bl II 1980, 571 []
  8. BFH, Urteil vom 14.01.1982 — IV R 168/78, BSt­Bl II 1982, 345 []
  9. BFH, Urteil vom 31.05.2001, — IV R 49/00, BSt­Bl II 2001, 828 []
  10. vgl. BFH, Urteile vom 26.01.2011 — VIII R 19/08, BFH/NV 2011, 1311 m. w. N.; vom 12.01.2010 — VIII R 34/07, BSt­Bl II 2010, 612 []