Die Aus­ein­an­der­set­zung einer Frei­be­ruf­ler-Sozie­tät

Die Tei­lung der Sach­wer­te und die recht­lich nicht begrenz­te, gleich­be­rech­tig­te Mög­lich­keit, um die bis­he­ri­gen Man­dan­ten der Gesell­schaft zu wer­ben, ist auch dann die sach­lich nahe lie­gen­de und ange­mes­se­ne Art der Aus­ein­an­der­set­zung einer Frei­be­ruf­ler­so­zie­tät, wenn eine sol­che Gesell­schaft nach ihrer Auf­lö­sung aus­ein­an­der­ge­setzt wird [1].

Die Aus­ein­an­der­set­zung einer Frei­be­ruf­ler-Sozie­tät

Gehen die Gesell­schaf­ter in die­ser Wei­se vor, kann eine zusätz­li­che Abfin­dung für den Geschäfts­wert grund­sätz­lich nicht bean­sprucht wer­den, son­dern bedarf einer ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung [2]. Dies gilt auch dann, wenn ein Wett­be­werb um die bis­her von den ande­ren Gesell­schaf­tern betreu­ten Mandanten/​Patienten wegen ihrer star­ken Bin­dung an die Per­son des jewei­li­gen Beraters/​Arztes nicht Erfolg ver­spre­chend erscheint.

Dass die­se Grund­sät­ze nicht nur dann gel­ten, wenn ein Gesell­schaf­ter aus einer Frei­be­ruf­ler­so­zie­tät aus­schei­det – wie der Bun­des­ge­richts­hof mehr­fach aus­ge­spro­chen hat -, son­dern auch dann, wenn eine sol­che Gesell­schaft nach ihrer Auf­lö­sung aus­ein­an­der­ge­setzt wird, steht, so der Bun­des­ge­richts­hof aus­drück­lich, außer Zwei­fel. Denn nach § 738 Abs. 1 Satz 2 BGB ist dem aus­schei­den­den Gesell­schaf­ter gera­de das­je­ni­ge zu zah­len, was er bei der Aus­ein­an­der­set­zung erhal­ten wür­de, wenn die Gesell­schaft zur Zeit sei­nes Aus­schei­dens auf­ge­löst wor­den wäre. Abge­se­hen davon redu­ziert sich mit der Auf­lö­sung einer Frei­be­ruf­ler­so­zie­tät und deren Zer­schla­gung der Wert ihres Man­dan­ten­stam­mes für die Gesell­schaf­ter ohne­hin auf Mög­lich­keit, um die Man­dan­ten zu wer­ben.

Damit ist aber gleich­zei­tig ein Aus­gleichs­an­spruch eines (ehe­ma­li­gen) Sozi­us für den Good­will der Sozie­tät nach § 734 BGB aus­ge­schlos­sen.

Haben sich die Par­tei­en nicht über eine Auf­tei­lung der Man­da­te geei­nigt, bestand für alle Mit­ge­sell­schaf­ter die recht­lich unbe­schränk­te Mög­lich­keit, in einen Wett­be­werb um alle Man­dan­ten der Sozie­tät zu tre­ten. Dies schließt nach den dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen der BGH-Recht­spre­chung eine zusätz­li­che Ent­schä­di­gung für den Good­will der Sozie­tät grund­sätz­lich aus.

Die Mög­lich­keit der Gesell­schaf­ter, um die Man­dan­ten der Sozie­tät zu wer­ben, war auch nicht durch die gesell­schafter­li­che Treue­pflicht beschränkt. Dass das Wer­ben um die von den Mit­ge­sell­schaf­tern betreu­ten Man­dan­ten eine steu­erneu­tra­le Real­tei­lung der Sozie­tät oder eine Über­lei­tung der Man­dan­ten auf die ein­zel­nen Gesell­schaf­ter gefähr­den konn­te, genügt hier­für nicht. Hät­ten die Gesell­schaf­ter dies ver­mei­den wol­len, blieb es ihnen unbe­nom­men, sich über eine ande­re Art der Aus­ein­an­der­set­zung des Man­dan­ten­stam­mes zu eini­gen. Ist eine sol­che Ver­ein­ba­rung nicht zustan­de gekom­men, ver­bleibt es dabei, dass die Gesell­schaf­ter unein­ge­schränkt um die Man­dan­ten der Sozie­tät wer­ben durf­ten, um sich den in der Ver­gan­gen­heit geschaf­fe­nen Wert der Man­dan­ten­be­zie­hun­gen wirt­schaft­lich nutz­bar zu machen.

Die gleich­be­rech­tig­te Mög­lich­keit für die Gesell­schaf­ter, um die Man­dan­ten der Sozie­tät zu wer­ben, stellt sich auch nicht aus­nahms­wei­se als unzu­rei­chend dar, weil ein Wett­be­werb um die bis­her von den ande­ren Gesell­schaf­tern betreu­ten Man­dan­ten der Sozie­tät wegen ihrer star­ken Bin­dung an die Per­son des jewei­li­gen Bera­ters nicht Erfolg ver­spre­chend war. Dar­auf kommt es nicht an. Die Man­dan­ten der Sozie­tät kön­nen grund­sätz­lich nicht gezwun­gen wer­den, ihre Geschäfts­be­zie­hung mit der Gesell­schaft oder bestimm­ten Gesell­schaf­tern fort­zu­füh­ren. Des­halb besteht auch dann kein zusätz­li­cher Aus­gleichs­an­spruch, wenn es einem Gesell­schaf­ter nicht gelingt, die Man­dan­ten der auf­ge­lös­ten oder durch sein Aus­schei­den been­de­ten Sozie­tät in einem sei­ner Betei­li­gung an der Gesell­schaft ent­spre­chen­den Umfang für sich zu gewin­nen und die­se sich über­wie­gend für einen ande­ren Gesell­schaf­ter ent­schei­den [3]. Beschränk­te der (ehe­ma­li­ge) Gesell­schaf­ter sei­ne Bemü­hun­gen dar­auf, die bis­her von ihm betreu­ten Man­dan­ten an sich zu bin­den, weil er einem Wer­ben um die ande­ren Man­dan­ten der Sozie­tät wegen der star­ken Per­so­nen­ge­bun­den­heit der Steu­er­be­ra­tungs­man­da­te von vorn­her­ein kei­ne Erfolgs­aus­sicht bei­gemes­sen hat, wird hier­aus nur erkenn­bar, dass nach sei­ner eige­nen Ein­schät­zung dem Man­dan­ten­stamm kein wei­ter­ge­hen­der, finan­zi­ell mess­ba­rer Wert zukam, des­sen Aus­gleich er for­dern könn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Mai 2010 – II ZR 29/​09

  1. BGH, Urteil vom 06.12.1993 – II ZR 242/​92, ZIP 1994, 378, 380; vom 06.03.1995 – II ZR 97/​94, ZIP 1995, 833, 834; vom 29.01.1996 – II ZR 286/​94, DStR 1996, 1254; vom 08.05.2000 – II ZR 308/​98, ZIP 2000, 1337, 1338; vom 07.04.2008 – II ZR 181/​04, ZIP 2008, 1276[]
  2. BGH, Urteil vom 06.03.1995 – II ZR 97/​94 aaO[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 06.12.1993 – II ZR 242/​92, ZIP 1994, 378, 380; Ulmer/​Schäfer in Münch­KommBGB 5. Aufl. § 734 Rdn. 9[]