Selbstwirksamkeitserwartung

10. August 2015 | Im Blickpunkt
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Das Konzept der perceived self-efficacy, der Selbstwirksamkeitserwartung, beschreibt die eigene Erwartung, aufgrund eigener Kompetenzen als erwünscht empfundene Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können.

Eine Komponente der Selbstwirksamkeitserwartung ist dabei die Kontrollüberzeugung, also die Annahme, dass nicht äußere Umstände ursächlich für Geschehen sind, sondern dass man selbst als Person gezielt Einfluss auf die Dinge und die Welt nehmen kann. Eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung ist daher verbunden mit einem internalen locus-of-controll.

Der kanadische Psychologie Albert Bandura, auf den das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung zurückgeht, zeigte auf, das Personen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung, also mit einem starken Glauben an die eigene Kompetenz, eine größere Ausdauer bei der Bewältigung auch schwieriger Aufgaben aufweisen, weniger anfällig für Angststörungen sind und mehr Erfolg im Berufsleben haben.

Albert Bandura benennt in seinen Studien insgesamt vier Quellen, durch die die Selbstwirksamkeitserwartung einer Person beeinflusst werden kann. Drei dieser Quellen wollen wir hier vorstellen:

Zunächst sind hier die eigenen Erfolgserlebnisse: Bewältigt man erfolgreich eine schwierige Situation, stärkt das den Glauben an die eigenen Fähigkeiten und man traut sich auch in Zukunft eher zu solche Situationen wieder zu meistern.

Dabei wirken die eigene Selbstwirksamkeitserwartung und die tatsächlich erzielten Handlungsergebnisse oftmals zirkulär: Aus einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung folgen höhere Ansprüche an die eigene Person sowie eine höhere Bereitschaft, anspruchsvollere Herausforderungen zu suchen. Werden diese gemeistert, führt dies wiederum zu einer Bestätigung oder Erhöhung der Selbstwirksamkeitserwartung. Ein „high performance cycle“, der von dem Zusammenhang zwischen der Aufstellung von Zielen der realisierten Leistung lebt.

Umgekehrt können Misserfolge dazu verleiten, an der eigenen Kompetenz zu zweifeln und in Zukunft vergleichbare Situationen eher zu meiden. Zu einer solchen negativen Beeinflussung der eigenen Selbstwirksamkeitserwartung kann es allerdings nur kommen, wenn der Misserfolg internal stabil attribuiert wird, also seiner eigenen Inkompetenz zugeschrieben wird. Dagegen hilft nur eine hohe Frustrationstoleranz.

Die zweite Quelle für eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung sind stellvertretende Erfahrungen: Meistern andere Menschen, deren Fähigkeiten man als mit den eigenen vergleichbar einstuft, eine Aufgabe, traut man sich diese selbst auch eher zu.
Also: Genießen Sie Ihre Erfolge. Analysieren Sie Ihre Mißerfolge und lernen Sie, diese Fehler zukünftig zu vermeiden, um nicht in eine Negativspirale zu gelangen. Und beobachten Sie Ihre Kollegen, ihre Fähigkeiten, ihre Erfolge. Und zeichnen Sie hieraus für sich selbst ein realistisches, angstfreies Bild Ihrer eigenen Fähigkeiten.

War da noch was? Ja, die dritte Quelle der Selbstwirksamkeitserwartung, nämlich die emotionale Erregung. Grundlage unserer Selbstwirksamkeitsbewertung sind oftmals die eigenen physiologischen Reaktionen, die sich bei neuen Anforderungssituationen einstellen. Wir snd nur allzu schnell bereit, Erregungsreaktionen wie etwa Herzklopfen, Schweißausbrüche, Frösteln oder Übelkeit als eigene Schwäche zu interpretieren und hierdurch Zweifel an unseren eigenen Kompetenzen aufkommen zu lassen. Lernen wir, Stressreaktionen abzubauen, können wir neue Herausforderungen nicht nur entspannter angehen, sondern wir stärken auch unsere eigene Selbstwirksamkeitserwartung.

 

 

Weiterlesen auf der Kanzleilupe

Weiterlesen auf der Kanzleilupe:

Themenseiten zu diesem Artikel: , ,
Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Im Blickpunkt

 

Zum Seitenanfang