Späte Einsicht

10. August 2015 | Im Blickpunkt
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Natürlich lernen wir nicht nur durch Beobachten, wir lernen auch durch Einsicht. Wer lernen nicht nur sozialkognitiv, sondern auch kognitiv, also durch die Aneignung und Umstrukturierung von Wissen, das wir durch unsere kognitiven Fähigkeiten wahrnehmen.

Wir lernen durch das Erkennen und Verstehen eines Sachverhalts, durch das Erfassen der Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung. Eben durch Einsicht. Und dieses Lernen durch Einsicht ist – nach einer anfänglichen Phase von „Versuch und Irrtum“ – zumeist ein Alles-oder-Nichts-Prinzip, es ist der sprunghafte, nahezu fehlerfreie Übergang in den Lösungszustand.

Ein solches kognitives Lernen durch Einsicht erfolgt typischerweise in mehreren Phasen: Zunächst taucht ein Problem auf, die Diskrepanz des Ist- vom gewünschten Soll-Zustand erzeugt die Motivation zum Suchen nach einer Lösung. Anschließend folgt oftmals eine Phase des Ausprobieren altbekannter und altbewährter Handlungsstrategien – deren Mißerfolg sodann oftmals zunächst einmal eine Handlungspause auslöst, bis das Situationsgefüge sodann denken neu erfasst und kognitiv umstrukturiert wird.

Diese dritte Phase der Umstrukturierung ist dann meist auch die Phase, in der sich Mandanten befinden, wenn sie sich mit ihrem Problem an Sie wenden. Ihre Aufgabe ist daher oftmals eine Assistenz in dieser Phase bis sich die Elementen für den Mandanten dann zu einem sinnvollen ganzen Zusammenfügen und nach diesem „Aha-Erlebnis“ der Handlungsprozess einsetzt.

Wenn Sie sich beim nächsten Mal also wieder wundern, warum der Mandant nicht früher zu Ihnen gekommen ist: Die zweite Phase des kognitiven Lernens – das Probierverhalten und die anschließende, durch den eigenen Misserfolg des Mandanten ausgelöste Handlungspause – ist Schuld.

Eine letzte Phase des kognitiven Lernens fehlt noch in unserer Übersicht: Die Phase der Übertragung. In dieser Phase wird die gefundene Lösung eingeübt und per Lerntransfer auf ähnliche Problemstellungen übertragen. Sie müssen also nur dafür sorgen, dass die gefundene Lösung lautet: „Beim nächsten Mal hole ich mir schneller und früher professionellen Rat.“

 

 

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