Der Goodwill in der Auseinandersetzung einer Rechtsanwaltssozietät

Nach der ständi­gen Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs sind die Teilung der Sach­w­erte und die Ein­räu­mung der rechtlich nicht begren­zten Möglichkeit, um die bish­eri­gen Man­dan­ten zu wer­ben, die sach­lich nahe liegende und angemessene Art der Auseinan­der­set­zung ein­er Freiberu­fler­sozi­etät. Wird so ver­fahren, kann eine weit­erge­hende Abfind­ung grund­sät­zlich nicht beansprucht wer­den1. Dies schließt einen Aus­gle­ich­sanspruch für den Good­will der Sozi­etät im Regelfall aus.

Der Goodwill in der Auseinandersetzung einer Rechtsanwaltssozietät

Eine abwe­ichende Beurteilung ist nicht schon dann ver­an­lasst, wenn das Wer­ben eines Gesellschafters um die bish­eri­gen Man­dat­en aus tat­säch­lichen Grün­den weniger aus­sicht­sre­ich erscheint und im Ergeb­nis weniger erfol­gre­ich ist als das Wer­ben der Mit­ge­sellschafter2.

Eine Aus­nahme von diesem Grund­satz kommt im Einzelfall aber dann in Betra­cht, wenn schon infolge ein­er beson­deren Gestal­tung der Zusam­me­nar­beit in der Sozi­etät ein gravieren­des Chan­ce­nun­gle­ichgewicht beste­ht. Dies kann der Fall sein, wenn die sozi­etätsin­terne Auf­gaben­zuteilung einem der Gesellschafter den Zugriff auf den Man­dan­ten­stamm erhe­blich erschw­ert, obwohl er durch die Erfül­lung der ihm zugewiese­nen Auf­gaben wesentlich zum Auf­bau des Man­dan­ten­stamms beige­tra­gen hat.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 18. Sep­tem­ber 2012 — II ZR 94/10

  1. BGH, Beschluss vom 31.05.2010 II ZR 29/09, ZIP 2010, 1594 Rn. 2 mwN []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 31.05.2010 II ZR 29/09, ZIP 2010, 1594 Rn. 8 []